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Ute Becker – die Essayistin

 

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Essay 1

Essay 2

Essay 3

Essay 4

Der Rattenfänger von Berlin

 

 

Ute Becker

Wir werfen uns weg

 

 

 

Ute Becker

Schuldig

 

 

 

 

Ute Becker

Die Goldadern von Berlin

 

 

 

Ute Becker

 

 

 

 

Essay 5

Essay 6

Essay 7

Essay 8

Worte schaffen Welten

 

 

 

 

Ute Becker

Die Erde und ihre Peiniger oder das Zeitalter des Verzichts

 

 

Ute Becker

Beate berichtet- ein Essay zur Altersarmut

 

 

Ute Becker

Herr Welle -
er kam, nahm und kriegte

 

 

 

Ute Becker

 

 

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Wir werfen uns weg

 

 

In der Renaissance entscheidet der faustische Mensch, seine Spezies von ih­ren Geißeln - Krankheiten, Alter, Seuchen, Naturkatastrophen und Armut - zu befreien. Naturwissen­schaftler wie Francis Bacon (1561-1626), Descartes (1596-1650) u. a. erheben den Menschen zur „Krone der Schöpfung“. Gemäß seinem christlich-jüdischen Denkgebäude darf sich der westliche Mensch den Rest der Erde unter­tan machen. Sein Umgang mit seiner Mitwelt wird fortan imperial, totalitär, faschi­stoid: Er missachtet sie, missbraucht sie, unterdrückt sie, merzt sie aus, liquidiert sie, spannt sie auf die Folter, entreißt ihr ihre Geheimnisse ...

 

Mit der Französischen Revolution spricht sich dieser westliche Mensch das Recht auf Freiheit, Brüderlich­keit und Gleichheit zu. Die Wissenschaft im Dienste des Menschen wird zum Religi­onsersatz. Der techni­sche Fortschritt endlich soll dem Menschen das Paradies auf Erden bereiten. In Nordame­rika haben Calvinisten „ihr“ Paradies auf Erden bereits besetzt - aber trotz der Weite des Landes auf Kosten der „Wilden“, der indianischen Ureinwohner, die den amerikanischen Kontinent seit 40.000 Jahren in Schü­ben besiedelt hatten.

 

Im 19. Jahrhundert scheint sich die Vision des verheißenen Paradieses zu erfüllen. Bal­lungsgebiete ent­stehen. Am Ende des 19. Jahrhunderts ist die Dunkelheit aus den Städten verbannt: Das Kunstlicht kann die Nacht zum Tag machen. Alte Stadt­quartiere werden ein-, neue aus dem Boden gestampft. Brücken, Straßen, Bäder, Kanalisation werden ge­baut. Eine Erfindung jagt die andere. Der Ingenieur ist König. Das Patentwesen wird zum Schutz der Erfindungen aufgebaut. Viele Menschen leben in einem vorher nie gekannten Maß an Sicher­heit, Wohlstand, Hygiene und Kommunikation.

 

Zum Ende des 20. Jahrhunderts leben schon 50 Prozent der Erdbevölkerung global in Städten – nun schon nicht mehr in Wohlstand und Hygiene. Denn das Paradies ist auf einen Teil der nördlichen Hemi­sphäre zusammengeschrumpft - in der Nacht gut an dem Lichtgürtel zwischen dem 40. und 60. Breiten­grad, zwischen den Ländern USA, Europa und Japan zu erken­nen. Ein­gebettet in Technik, Effektivität und Kapital­wirtschaft produzieren, handeln und konsumieren sie nunmehr in ihrem Paradies - die „Erste Welt“ genannt. Der Rest der Erde liefert ihr Rohstoffe, Land, Absatzmärkte, Arbeitskräfte.

 

Technischer Forschritt, Konsum und Energieverbrauch werden zum Ausdruck und Garant wirtschaftli­chen Wohlstandes, und der wiederum zum Ausdruck für den Stellenwert der Nation in der Völkerge­meinschaft. Die eif­rigsten Konsumenten (USA, Kanada, Japan, BRD, Frankreich, Italien, Großbritannien) werden mit dem zweifelhaften Titel „G7“ belegt. Steht das für „die sieben gierigen Industrienationen?

 

Wirtschaftsstandorte brauchen Absatzmärkte, sprich Konsumenten. Also werden wir, die Kon­sumenten, geriert. Die Werbebranche wird für ihre Überredungskunst mit einem Umsatz von zweistelligen Milliar­denbeträgen im Jahr entlohnt. Und wir konsumieren, weil es uns als fortschrittlich verkauft wird. Wir kau­fen, was die Einkaufstasche, die Brieftasche, das Konto oder der Kredit halten. Wir kaufen Mülltüten, Mülleimer, Müllcontainer, Müllautos, Müllhalden und schwatzen den Ländern der „anderen Welt“ Müll­deponien auf. Wohlstandsmüll sozusagen als Metamorphose ihrer Rohstoffe.

 

Wir werfen weg

Da aber Wohnungen und Häuser, Schränke und Schuppen, Böden und Keller nicht größer werden, werfen wir weg, was wir scheinbar nicht gebrauchen können. Zuerst einen Haufen überflüssiger Verpa­ckung. Dann folgen Wegwerfdosen, Wegwerfstrümpfe, Wegwerfkleider, Wegwerfbücher, Wergwerf­computer, Wegwerfpflanzen, Wergwerftiere, Wegwerfhäuser. Wir werfen das Alte, Bewährte, Solide auf die Straße. Statt der Qualitätsware zum langen Gebrauch zieht die Verbrauchsware ein. Wir reparieren nicht mehr, wir ersetzen. Die Werbung liefert Schlagwörter und Motiva­tion: „Ex und Hopp“, „Einweg-Verpackung“, „Mode und Trend“, „Jugend“, „Beschleunigung“ ...

 

New York produziert an einem Tag 26.000 Tonnen Müll. Wir Bundesbürger produzie­ren 250 Mio Tonnen Abfall im Jahr, jeder Berliner Einwohner 399 Kg. Mexiko City schafft nur 10 Millio­nen Tonnen Müll jährlich. Täglich werfen wir Bundesbürger 6 Mio Windeln auf den Müll. 2 Mio Pkw werden jährlich verschrottet. 80 Mio Kg Verpackung kaufen wir täglich. Wie viele Millionen Getränkedosen. Unsere Industrie produziert jährlich 400.000 Tonnen Plastiktüren für uns sowie 9 Mio Tonnen Plastik. Die Bundesrepublik Deutschland ist Weltmeister im Giftmüll-Export. Wir alle konsumieren und müllen auf Teufel komm heraus. Und der Teufel kommt heraus! Er zeigt sich nicht im Detail, sondern in der Menge Müll, und der beginnt zum Himmel zu stinken. Auch die Müllentsorgung wie alle reparierenden Umwelttechniken ist ein energierei­cher Industrie­zweig, der wiederum Schadstoffe produziert.

 

Um die Jahrtausendwende erkennen wir endlich, dass die „Erste Welt“ eine Wegwerf-Gesellschaft ist und dass der Rest der Erdenbevölkerung eine solche sein möchte. Wir erschrecken angesichts der Müll­berge, die sich langsam als „Müllflut“ in Bewegung setzen. Früher haben die Menschen ihre Siedlungen verlassen, wenn der Müll anfing zu stinken. Heute können wir das nicht mehr. Dazu sind wir Menschen zu zahlreich, unsere Erde zu klein und wir abhängig von unseren Siedlungen geworden. Datenträger für immer größer werdende Datenmengen können immer kleiner gestal­tet werden. Das ist im Verhältnis Erde: Mensch nicht möglich. Unsere Erde wird weder größer noch kleiner, sondern immer nur enger. Und trotzdem verhalten wir uns unserer Erde gegen­über wie zu einem Artikel, den wir aufblasen oder sogar ersetzen könnten.

 

Früher hatten wir unsere Schätze gelagert, gehortet, eingemacht, versteckt, sogar vergraben. Das müh­sam Errungene schätzten wir hoch und warfen es nicht weg. Heute leben wir im Überfluss – mit Schnäppchen made von Kinderhand -, der uns die Wertschätzung des Erworbenen vergessen lässt. Wir brauchen keine Überlegun­gen mehr darüber anzustellen, wofür, wann und wie wir den Gegenstand wieder­verwerten könnten und wo wir ihn lagern müssten. Jeder Gegenstand ist ersetzbar. Das haben wir verinnerlicht, also werfen wir getrost weg. Wegwerfen aber ist iden­tisch mit „Missachtung“.

 

Wir werfen unsere Vergangenheit weg

Die Produktion von Abfall, von Verbranntem, Verbrauchtem ist ein natürlicher Vorgang und al­lem Leben eigen. Aber die natürlichen, von sehr langer Hand aufgebauten, erprobten Kreisläufe tragen der Tatsa­che Rechnung, dass es sich bei der Erde um ein fast geschlossenes System handelt, indem sie die ver­brauchten Stoffe einem neuen Kreislauf zuführen. Sie garantieren so, dass Abfälle nicht zu Schadstoffen werden, sondern zu Lebensräumen oder Nahrung für die eine oder andere Art. Und sie sorgen dafür, dass eine Spezies, die sich über Gebühr vermehrt und deren Abfälle beginnen Schaden anzurichten, auf ein mitweltverträgliches Maß reduziert wird.

 

Die Evolution ist die beste Erfinderin und die klügste Haushälterin. Sie nimmt sich viel Zeit. Die Natur ist verschwenderisch in ihrer Vielfalt, doch sparsam in der Nutzung dieser Vielfalt. Ökolo­gie ist die Ökono­mie an sich. Das der Natur zugrundeliegende Prinzip des Haushaltens, der Wie­derverwertung und des Gleichgewichts stellt sich nicht auf die Seite einer Spezies. Unser ungebremster, anthropozentrischer Fortschritt auf der Erde verletzt dieses Prinzip.

 

Wir werfen Vorfahren, Ahnen und Überlieferung weg

Der Homo „sapiens“ ist im Begriff, seine lebenden Vorfahren auszurotten, bevor es gelingen wird, diese unter den Schutz zu stellen, den Menschen genießen. Unser nächster Verwandter ist der Bonobo-Schim­panse. Wir Menschen unterscheiden uns von ihm nur durch maximal zwei Prozent unterschiedliche genetische Anlagen. Es sind diese die entscheidenden, menschlichen zwei Prozent. Glauben wir, die 98 % Tier in uns verneinen zu können, indem wir sie ausrotten?

 

Das Naturvolk der Himba im Norden Namibias wird durch ein Staudammprojekt bedroht. Ihre Dörfer, Gärten und Weidegründe im Kaokoland sollen in einem riesigen Staubecken versinken. Umweltschutz­gruppen bezweifeln den wirtschaftlichen Nutzen dieses Großprojektes, sehen in ihm ein Prestigeobjekt der Regierung und warnen vor einem ökologischen Desaster. Dafür gibt es Pläne, das Kaokoland in ein Touristenziel zu verwandeln, in dem die Himba eine exotische Kulisse für Abenteuerreisende wären.

 

In Westsibirien, nördlich des Polarkreises, führen 21.000 Jamal-Nenzen einen Überlebenskampf nicht nur gegen die Natur, sondern besonders gegen die Zwangszivilisierung. Durch die obligatorische, neunjäh­rige Grundschule im 500 Kilometer südlich gelegenen Verwaltungszentrum Tarko Sale werden die Kinder gewaltsam ihrer natürlichen Umgebung entrissen und sind dementsprechend schlecht auf die Rückkehr in die Tundra vorbereitet.

 

Wir werfen unsere Zukunft weg

Wir haben uns aus zu zahlreichen hochintelligenten, lang erprobten und stetig verbesserten Kreis­läufen hinauskatapultiert. Wir Menschen haben zu vieles gestört, bei uns Menschen ist zu vieles gestört. Wir haben nicht begriffen, dass unser Planet aus begrenzten Ressourcen besteht, deren zeitlich unbe­grenzte Nutzung nur möglich bleibt, wenn die Nutzergemeinschaft sich in Grenzen hält, wenn keine Schadstoffe entstehen, wenn alle Stoffe zur Nutzung in Kreisläufe zurückgeführt werden und wenn deren Öko-Bilanzen ehrlich sind.

 

Durch ihre Zügellosigkeit liquidiert die Menschheit, um sich in der Gegenwart zu befriedigen, die Lebensgrundlagen für die zukünftigen Generationen.

 

Wir werfen unseren Himmel weg

Die dritte Stufe einer Ariane-Rakete explodierte 1986 und hinterließ im Orbit ca. 500 Bruchstücke. Insge­samt wird der Schrott im Orbit der Erde auf 150.000 Wrackteile, die größer als ein Zentimeter sind, geschätzt. Hinzu kommen rund 1.650 ausgediente Satelliten. Bei den hohen Geschwindigkeiten im All können schon fingernagelkleine Partikel große Schäden anrichten. Nur 250 Objekte sind in Funktion. Die restlichen ca. 149.750 Objekte sind Schrott!

 

Die Stratosphäre zeigt einen Kerosingürtel als dunklen Streifen auf: Ein Starfighter ver­braucht bei einem Flug 5.000 Liter Kerosin, 190 Liter in der Minute.

 

15 Mio Deutsche pendeln täglich zur Arbeit vom Land in die Städte und umgekehrt. Die Löcher in der Ozonschicht, die uns bisher vor Verbrennungen durch bestimmte UV-Strahlung geschützt hatte, werden immer größer.

 

Wir werfen unseren Lebensraum weg

Wir Menschen haben unsere Lebensdauer verlängert und den Lebensstandard erhöht. Wenn die Bevöl­kerungszahl der G7 zurückgeht, rücken Andere in das System der Ersten Welt nach. Energieverschwen­dung, Ressourcen-Raubbau und Schadstoffe sind globale Erscheinungen: So wie die "Erste Welt" ver­schwendet, so übervölkert sich die "Zweite Welt". Indem wir unseren Lebensraum Erde restlos besetzen, nehmen wir ihn uns.

 

Wir werfen unser Wasser weg

Wassermangel macht sich bemerkbar, natürlich zuerst in der 3. Welt, da, wo die Menschen am wenigs­ten Wasser verbrauchen. Ein Afrikaner verbraucht durchschnittlich 10 L Wasser am Tag. Wir Bundesbür­ger verbrauchen durchschnittlich 150 Liter am Tag. Wir produzieren unsere Autos mit 400.000 L Wasser pro Auto, wir waschen sie mit Trinkwasser. Wir spülen täglich mehr Trinkwasser durch unsere Toiletten, als Menschen in anderen Ländern zum Trinken haben. Ballungsgebiete ziehen wie ein Schwamm das Was­ser aus den umliegenden Gebieten ab.

 

Wir werfen unsere Nahrungsmittel weg

Auf der einen Seite der Erde verhungern Kinder, leben die meisten Menschen am Rande des Existenzmi­nimums, zerstören Naturkatastrophen die karge Ernten, verlassen Menschen ihre Fami­lien, um in fernen Städten ihr Leben zu retten, ...

 

... auf der anderen Seite der Erde, werden Landwirte dafür subventioniert, dass sie ihre Erträge vernich­ten: Die Europäische Union gibt etwa 50 Mio €uro im Jahr zur Vernichtung von Lebensmitteln aus. Aus tausenden Gaststätten in jeder Großstadt werden täglich Lebensmittelmengen weggeworfen, die ganze Dörfer in hungernden Länder ernähren könnten. Es werden Regenwälder abgeholzt für Monokul­turen für Fleisch für die Erste Welt, das im Falle des Rinderwahnsinnes dann aber vernichtet wird.

 

Wir werfen unsere Kinder weg

Diese Erde wird eine wachsende Bevölkerung mit wachsendem Wohlstand nicht mehr gutmütig tragen. Die G7 sind allein verantwortlich für die Ausbeutung der Bodenschätze anderer Länder, besonders der Dritten Welt. Diese allein sind verantwortlich für ihre Bevölkerungspolitik. Der Papst verbietet zwar Emp­fängnisverhütung, Abtreibung und Familienplanung, aber diese Länder sollten verstan­den haben, dass nur Frauen mit wenigen Kindern die Kraft haben werden, die Situation ihrer Fa­milie zu ver­ändern. Doch offensichtlich haben die patriarchalischen Strukturen der Katholischen Kirche und des Islam, explizit der männliche Teil dieser Gesellschaften, daran überhaupt kein Inter­esse. Sie beuten die Frauen aus als Tragetiere für billige Arbeitskräfte, die wiederum ausgebeutet werden oder Hungers sterben. Weltweit sterben jährlich 7 Mio Kinder an Unterernährung.

 

Einzig sinnvoll für den Frieden der Menschheit mit seiner Mitwelt wären die Reduzie­rung des Wohlstandes der G7 und radikale Geburtenkontrolle in den ande­ren Ländern. Aber keines von beidem zeichnet sich ab.

 

Wir werfen unsere Alten weg

Ein kleiner Teil der Erdenbevölkerung produziert schon mehr Alte als Kinder. Durch den medizini­schen-technischen Fortschritt wurde die Lebenszeit der Menschen bei uns erheblich verlängert. Aber wir wollen unsere Alten gar nicht. Wir nehmen ihnen ihre Beschäftigungen. Wir jagen sie über befahrene Straßen. Wir quälen sie mit unmenschlicher Lautstärke. Wir bauen immer kleinere Wohnungen, so dass Alte nicht mehr von ihren Familien aufgenommen und gepflegt werden können. Wir missgönnen ihnen ihre Ren­ten. Wir hören ihnen nicht zu, wir machen sie hässlich, ihr Lebenswerk ist zerfallen, ihre Traditionen inte­ressieren uns nicht, wir nehmen sie gar nicht ernst. Sie sind da, aber sie sind überflüssig.

 

Wir lassen jeden Menschen in Angst vor dem Tod aufwachsen, nehmen ihm die Fähigkeit, sich auf Altern, Sterben und Tod vorzubereiten. Wir lei­sten keine Sterbehilfe, weil jene - im Faschismus missbraucht - in Verruf geraten ist. In Siechenheimen, auf Intensivstationen quälen wir sterbende Alte noch bis zum letzten Atemzug.

 

Wir werfen unsere Tiere weg

In einem Tierheim in einer Großstadt wird zehntausenden Haustieren und Exoten Asyl ge­geben. In Tier­handlungen werden dem Konsumkind putzige Tierchen als Geschenke verkauft. Doch wenn Kind und Tier grö­ßer werden, die Wohnung aber nicht, dann landet das Haustier bestenfalls als Asylant im Tier­heim. Andere Haustiere kommen auf dunkleren We­gen in eine Großstadt und verlassen sie auf anderen dunklen Wegen, um in Laboren gefoltert zu werden.

 

In Deutschland züchten Zoos, einige Zirkusse und private Halter so genannte „Wegwerfbären“, denn putzige Bärenbabys lassen die Kasse klingeln. Doch schon nach 1 - 3 Jahren verlieren die Jungtiere an Attraktivität für die Tierparkleiter und werden unbequeme „Fresser“. Sie werden abgeschoben - an Wanderzirkusse oder den Schlachter. Oder sie werden einfach ausgesetzt. Der Tod erwartet Schimpan­sen und andere Tiere der Wildnis nach ihrer Karriere im Zirkus.

 

Bei der Herstellung transgener Tiere entstehen „Abfalltiere“: Die Eispenderinnen, die Ammentiere, die vielen nichttransgenen Nachkommen und die nicht vermehrungs- oder lebensfähigen Nachkommen. Unzählige Abfalltiere fallen der Produktion eines erwünschten Gentech-Tierstammes zum Opfer.“

 

An anderer Stelle Frau Andrea Grill zur Tierzucht: "

Für die Tierzüchter behört der Tod zum Alltag – für die Jungtiere, denn bei der Selektion der nicht rasse­konformen Zöglinge kennen die Heimtierzüchter kein Pardon. Der Überschuss wird getötet und wegge­worfen.

 

Tiere als Organspender, als Züchtungen, als Ersatzteillager, transgene Tiere, genmanipulierte Tiere, Krebsmäuse. Tiere als lebenslängliche Gefangene des Menschen, die nie das Labor verlassen werden - es sei denn als Leiche.

 

In nur zwei Jahren wurden zehntausende Rinder in der BRD und England, mehr als 1 Mio Hühner und anderes Federvieh in Hongkong, Tausende Rentiere in Norwegen, 82.000 Schweine in der BRD gemet­zelt, weil Gefahr für den Mensch drohte. Der Globus ist genau genommen ein zum Himmel schreiendes und stinkendes Konzentrationslager und Schlachthaus für Tiere.

 

Wir werfen unsere Häuser weg

Ich wohne in einem Mietshaus, das am Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Wenn es instand­gehalten wird, dürfte es noch weitere 100 Jahre und länger stehen. Neubauten aber erreichen kein Alter mehr. Es werden Wegwerf-Häuser entworfen und gebaut. Nur das ist profitabel. Energieaufwand, Raubbau an Ressourcen und Entwurzelung der Bewohner zählen nicht.

 

Drängt sich mir die Frage auf: "Was werfen wir Menschen eigentlich nicht weg?" Ich bleibe die Antwort schuldig. Indem wir uns das Paradies auf Erden holen wollten, haben wir uns aus diesem selbst hinaus­geworfen. Das Leben für unsere Mitwelt haben wir während dieses Kunststückes zum Inferno gemacht.

 

 

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