artAkusOffene Briefe

 

 

Ute Becker – die Briefeschreiberin

 

Auf dieser Seite stehen Brief-Texte, die Sie als Vorlage für eigene Briefe an Behörden etc.
übernehmen, kopieren, abschreiben, abändern dürfen.
Dazu einleitend eine Ermunterung unserer englischen Freunde zum Briefeschreiben.
Die Autorin verzichtet hier ausdrücklich auf das Copyright.

 

 

Keep up the Pressure!

“Concerted and continued letterwriting campaigns have helped persuade the National trust, Sainsbury’s and probably, it now seems, Marks and Spencer not to install or to discontinue their piped music. As the HSBC remains pig-headedly determined to play muzac of the worst kind, we need to keep protesting, writing determined but not abusive letters to Mr. Michael Geoghegan, Chief Executive Officer, HSBC Bank plc, 8 Canada Square, London E14 5HQ. Banks and other huge organizations tend to ignore or brush off all protests for a long time until suddenly – often when we have almost given up – they grow alarmed and chance their minds. So don’t give up, just keep on writing!”

 

aus: Newsletter No 53 (Autumn 2005) von Nigel Rogers, http://www.pipedown.info/ Großbritannien

 

 

Briefvorlage 1

 

„Autoradiolärm“

Briefvorlage 2

 

„Autoraser“

Briefvorlage 3

Hallo Nachbar,
mehr Ruhe ist machbar

Briefvorlage 4

Erhalt einer Sauna in Berlin Charlottenbur-Wilmersdorf

 

Speakers Corner 1

 

Speakers Corner 2

 

Speakers Corner 3

 

Speakers Corner 4

 

 

 

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Vorlage 1

an Polizeipräsidenten – Politiker – ADAC – Umweltverbände – und andere Adressaten

 

Unzumutbarer und vermeidbarer Verkehrslärm durch Autoradios

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Unseren Informationen zufolge sollen ca. 165.000 Einwohner Berlins unter schädigen­dem Verkehrslärm in ihrer Wohnstraße leiden, über Zumutbarkeit und Vermeidbarkeit, über Gesundheitsschädigungen von Straßenlärm wird viel gestritten, an seiner Redu­zierung wird gearbeitet. Wir möchte hier jedoch auf einen allen Verkehrslärm übertreffenden Mißstand zu sprechen kommen, der ganz sicher vermeidbar ist:

 

Jeden Tag werden mehr und potentere Musik-Beschallungsanlagen in Pkws betrieben. Die Schamschwelle, das gesamte Straßenland und angrenzende Wohn­häuser zu beschallen geht langsam nach Null. ‚Mann“ fährt zu zwei bis vier
Personen im Pkw. Fenster und Verdecks bleiben geöffnet. Das Straßenland wird mit stampfenden Bässen weichgeklopft … Passanten, Radfahrer und andere
Autofahrer werden mit diesem vermeidbaren, unzumutbaren Lärm belästigt.

 

Den Bürgerlnnen ist es nicht zuzumuten, diese immer häufiger werdenden, in der Regel absichtlichen Lärmbelästigungen im Straßenland zur Anzeige zu bringen; denn anders als bei Verstößen gegen die Sicherheit im Straßenverkehr muss hier der
Halter festgestellt werden. Wer kann das leisten? Die Anzeigen werden eingestellt. Auch die in der Regel unhöflichen Reaktionen der Fahrer auf Kritik am Lärm und auf Bitten der Betroffenen um Unterlassung sind unzumutbar.

 

Was die Autohersteller und ihre Audio-Designer an Verbesserungen im und um das Auto herum erarbeiten wird durch die HiFi-Industrie zunichte gemacht. Den tieffrequenten Schall aus den Musikanlagen hört man noch, wenn das Auto außer Sicht ist. Bei fehlenden Außengeräuschen in der Nacht kommt er einem Beben gleich.

 

Vor allem die Tatsache, dass die starke Beschallung des kleinen Autoraumes die Fahrer selbst zu einem Verkehrsrisiko macht, scheint noch nicht genügend in das Bewusstsein der Legislative und Exekutive gedrungen zu sein. Wissenschaftler indessen fanden heraus, dass laute, aggressive Musikbässe auch einen aggressiveren Fahrstil bewirken. Uns muss man das nicht beweisen. Wir sind auch Radfahrer und wir fühlen uns durch diesen zusätzlichen Lärm und die damit einhergehende Rücksichts­losigkeit jeden Tag mehr belästigt. Die unerträgliche Situation am Arbeitsplatz haben wir oben schon erwähnt.

 

Deshalb schlagen wir Ihnen vor, das Lärmen mit Beschallungsanlagen im Straßen­verkehr in den Katalog der Bußgelder aufzunehmen.

 

Wir schlagen vor, Beamte mit geeignetem Gehör (man muss die Bässe schon aus dem Verkehrsdröhnen heraus als solche erkennen können) den Straßenverkehr auf vermeidbare Lärmbelästigungen so kontrollieren zu lassen, wie Geschwindigkeiten, Handy-Gebrauch, Drogenkonsum und anderes mehr kontrolliert werden.

 

Führerscheinaspiranten und Verkehrssünder sollten nicht nur einen Sehtest sondern auch einen Hörtest absolvieren müssen.

 

Wir hoffen, Sie nehmen diese Anregung positiv auf. Wir können Ihnen versichern, dass wir den Unmut von vielen Bürgerlnnen über diesen Missstand gehört haben. Aber es liegt nicht jedem, Briefe zu schreiben.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

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Vorlage 2

an Verkehrsministerien der Länder und andere Adressaten

 

Schutz der Baumalleen vor den motorisierten Rasern

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Eines der schönsten Vermächtnisse der DDR waren die Baumalleen. Ein altes Kulturgut blieb unangetastet. Ökologisch und ästhetisch sind Baumalleen eine Errungenschaft unserer Gesellschaft. Solche Werte müssen verteidigt werden. Es kann nicht überall die Devise "freie Fahrt für freie Bürger" herrschen. Das Fahren unter Baumkronen muss als Verantwortung gegenüber diesem Kulturgut proklamiert werden.

 

Nicht der Baum steht dem Autofahrer im Weg, sondern der Autofahrer beherrscht sich und sein Auto nicht! Die erste Unfallursache ist zu schnelles Fahren. Bäume, ein Allgemeingut, werden von rasenden Autofahrern bei unverantwortlichen Überholmanövern, wegen Übermüdung und Alkoholkonsum angefahren und beschädigt.

 

Nicht „gefährliche Alleen“ müssen „entschärft“ werden, wie die Auto-Lobby fordert, sondern "fahr-lässige", unverantwortliche, also gefährliche Autofahrer müssen entschärft werden. Soll man die Radfahrer auch von den Landstraßen verbannen, weil sie von Autofahrern bedroht werden?

 

Ich denke, vor der nicht wiedergutzumachenden Handlung Alleebäume zu fällen, gibt es effektivere Mittel: Strengste Geschwindigkeitskontrollen bis hin zum Führerscheinentzug. Bäume zu schützen, ist immer auch Schutz für den Menschen. Der natürliche Lärmschutz ist nicht zu verachten. Kühle und gute Luft spenden sie auch.

 

Die Autofahrer werden durch Poller, Blinklichter, Schutzplanken geleitet, Baumstämme sind weiß markiert, Verkehrsschilder gebieten Tempolimits. Was braucht ein umsichtiger Autofahrer noch, um auf der Landstraße zu fahren und nicht Slalom zwischen den Alleebäumen?

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

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Vorlage 3

Ein Informationsblatt an Ihre Nachbarn

 

Hallo Nachbar, mehr Ruhe ist machbar!

Liebe Nachbarn, wissen Sie, mit wie vielen Geräuschquellen Sie sich tagtäglich in Ihrem Wohnbereich umgeben? Kommt Ihnen das nicht bekannt vor: Alarm­anlage, CD-Player, Computer, Com­puterspiele, Dunst­abzug, Elektri­sche Zahn­bürste, Familie, Feste, Fön, Glas­recycling, Haus­haltsmixer, Heizungsan­lage, Hobby-Geräte, Hobby-Werk­zeuge, Holz­hacken, Hunde, Kassetten­recorder, Kinder­gebrüll, Kühlschrank, Lüftungs­anlagen, Musik­instrumente, Nachbarn, Nadeldrucker, Nie­dervolt-Trans­formatoren, Plattenspieler, Radio, Rasen­mäher, Rasierapparat, Schreib­maschine, Staubsauger, Syntheziser, Tele­fon, Anrufbeantworter, Tele­vision, Ton­bandgerät, Video, Walk­man, Wasch­maschine, Wäschetrock­ner, Wasser­kessel, Wortgefechte, Zank und Streit ...

 

Wissen Sie auch, dass ein gut Teil dieser Geräuschquellen von Ihren Nach­barn eben­falls wahrgenommen werden aber gar nicht erwünscht sind, das heißt als „Lärm“ an­kommen?

Und wissen Sie auch, dass diese Art von Lärmbelästigung, nämlich der Nachbarschaftslärm, für alle Bundesdeutschen gleich hinter dem Straßen- und dem Fluglärm ran­giert?

Das heißt also "Was dem Einen seine Nachti­gall, ist dem Anderen dummer Schall ...". Die Wenigsten stellen sich in der Tat vor, dass ihre privaten, akusti­schen Lebens­äußerungen beim Nachbarn "landen" und dort keineswegs will­kommen sind.

Leider endet Ihr Privatbereich und der Ihrer Nachbarn nicht an den Fenstern. Luft und Mauern tragen Schall - denn um nichts Anderes handelt es sich bei Geräuschquellen - in die Nachbarwohnungen weiter.

Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie Ihrer­seits von vermeidbaren nachbar­schaftlichen Ge­räuschen genervt sind? Sie hoffen doch auch auf Ein­sicht beim Nachbarn, oder?

 

Lärm ist akustischer Abfall!

Mietshäuser beherbergen viele Men­schen, und dementsprechend müssen wir von unse­ren privaten Lebensäuße­rungen Abstriche machen. Wir produzieren tagtäglich viel Lärm, den wir vermeiden könnten. Es ist wie mit dem Abfall: Wir könnten einen großen Teil der Geräusche schlicht und einfach unterlassen! Es wäre also ein großer Schritt zum Abbau sozialer Spannungen in einem Miethaus, wenn sich Jeder öfter überlegte, wie sehr er seine Nachbarn an seinen Lebensäußerungen teil­haben lässt:

 

Leben sie lärmarm, und ihre Nachbarn danken es Ihnen!

Ø       Müssen die Boxen meiner Stereo­anlage auf dem Fußboden stehen?

Ø       Muss ich meine Tonwiedergabe­geräte un­bedingt laut und ohne Kopf­hörer hö­ren?

Ø       Muss ich mit lauter Radiomusik den Staubsauger übertönen?

Ø       Muss ich mir jeden Abend meinen Disk­jockey mit Discolautstärke oder den Grand Prix de la Chanson in Original­tonstärke in meine Wohnung holen?

Ø       Muss ich mein Musikinstrument in mei­ner Wohnung ohne Schallisolie­rung spie­len?

Ø       Muss mein Radiowecker morgens meine gesamte Nachbarschaft wecken?

Ø       Müssen TV, Video, Radio, Kas­sette während lauter Gespräche laufen?

Ø       Muss ich meine Begeisterung über das Fußballspiel die ganze Nachbar­schaft wissen lassen?

Ø       Muss mein Telefon auf volle Laut­stärke gestellt sein?

Ø       Muss ich meine Renovierungsarbei­ten bei offenen Fenstern tätigen?

Ø       Muss ich laute Arbeiten in der Woh­nung unbedingt nach 20.00 Uhr aus­führen?

Ø       Muss ich Flaschenleergut unbedingt am Sonntag in den Glas-Container im Hof werfen?

Ø       Muss ich die Wohnungstür zuknal­len an­statt sie zu schließen?

Ø       Muss ich meinen Hund so lange allein­lassen, dass er bei jedem Laut bellt?

Ø       Müssen meine Gä­ste mit Klonten oder Stöckelabsätzen auf meinem Holz­fußboden herumlaufen?

Ø       Muss ich alle diese Gespräche und Handlungen vor den Parterrewohnun­gen un­seres Hauses machen?

Ø       Muss ich den walkman auf volle Laut­stärke stellen und mich zu einem Schwer­hörigen machen, der dann wie­der Andere stört?

Ø       Muss das sein, muss dies sein ...?

Ø       Kann ich meinen Kindern nicht schon früh beibringen, dass die mensch­liche Stimme auch fähig ist, in normaler Stärke zu sprechen?

Ø       Wäre es nicht Zeit, mir endlich ein Hör­gerät verschreiben zu las­sen?

 

Was, liebe Nachbarn, sollten Sie sonst noch über Hören und Akustik wissen?

Ø       Laut unserer Berliner Lärmschutzverordnung müssen Tonwiedergabegeräte (Radio, Kassettenrecorder,TV, Video, DVD, Synthesizer, E-Guitarre u.ä.) jeden Tag zu jeder Tageszeit auf Zimmerlautstärke gestellt sein.

Ø       Schöne Töne, die Ihr Tonwiedergabegerät für Sie verbreitet, kommen beim Nachbarn immer verzerrt und bruchstückhaft an, das heißt als "Musikruine", und sind deshalb schon nicht willkommen.

Ø       Lärm – unerwünschter Schall - macht krank, ganz besonders deshalb, weil Ärger über die Mitmenschen mitwirkt.

Ø       Unterlagen über Lärm finden Sie bei den bezirklichen Umweltämtern (alle Adressen in der Broschüre "Wer leise lebt, lebt besser"), beim Senator für Lärmemission, Am Köllnischen Park, Berlin-Mitte, bei der Gesellschaft für Lärmbekäm­pfung e. V., Kaiserdamm 80, 14057 Berlin.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Vorlage 4

Offener Brief an

 

BBB - Berliner Bäderbetriebe

Sachsendamm 2 – 6

 

10829 Berlin

 

Die Sauna in der Krumme Straße darf nicht schließen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf braucht diese Einrichtung.

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Vor zwei Jahren drohte die Schließung der Sauna in der Krumme Straße, heute wird sie schon gar nicht mehr geöffnet. Wir Nutzer und Nutzerinnen sind dementsprechend betroffen.

 

Wer zweifelt noch daran, dass das Saunen die Gesundheit fördert, sich also im Rahmen des Gesundheitssystems kostensparend auswirkt. Die von uns hochgeschätzte Sauna hat einen großen Einzugsbereich – Charlottenburg, Wilmersdorf, Spandau, Schöneberg und andere Bezirke; ein Zeichen für ein Refugium der besonderen Art:

 

  • Sie ist bezahlbar, bietet also die Möglichkeit der Regeneration für Geringverdiener;
  • Sie ist durch die Nähe von U-Bahnhöfen gut erreichbar; auch mit dem Fahrrad;
  • Aufenthalt und Nutzung der Sauna sind zeitlich nicht begrenzt;
  • Sie bietet den direkten Anschluss an das denkmalgeschützte, liebevoll restaurierte Hallenbad mit temperiertem Wasser;
  • Sie wartet mit zwei für Frauen reservierte Wochentage auf;
  • Sauna und Schwimmbad sind Refugium für Migrantinnen, speziell für Musliminnen;
  • Sie bietet vier verschiene Arten des Saunens an;

 

Kurz und gut: „Unsere“ Sauna böte alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Regenerie­rung. Sie ist unersetzbar. Die Sauna schuf Arbeitsplätze.

 

Von Presse und Bezirksamt erfuhren wir von notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen und den dafür notwendigen Mitteln von über 400.000,-- €. Auf der anderen Seite berichtet die Stadträtin, dass die BBB nur noch in sich wirtschaftlich tragende Lokalitäten investieren werde. Was aber fehlt dieser sympathischen Sauna zur Wirtschaftlichkeit nach der Sanierung?

 

Wir bitten Sie dringend, den Erhalt dieser wertvollen bezirklichen Einrichtung voranzutreiben.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

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