artAkus - Prosa - 2

 

 

Ute Becker – die Prosaistin

 

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Balsam

 

Der Mond steht so, dass sein Licht weiße Rhomben auf ihren Küchen­bo­den wirft. Sie löscht den warmen Schein der Küchenlampe. Im traumhaften Mondlicht greifen die Er­innerungen nach ihrem Herzen.

 

Der Mond war einst ihr Begleiter in der Wüste gewesen. Er war ihr Licht in tiefer Nacht. Nach der aufre­genden Farbigkeit und Hitze des Tages hatte sein kühles Zwielicht Balsam über ihren gespannten Körper gegossen. Ruhe in der schwarzweißen Stille des Mondes. Grelle Sonne für die Betriebsamen. Intimes Mondlicht für die Philosophen. Der Mond scheint dem Einzelnen. Sie glaubte sich damals die einzig Erleuchtete auf der traumhaften Seite der Welt.

 

Mit laszivem Lecken begleiteten die Meereswellen den Rundgang des Mondes am Himmel. Die Augen der Nachtfische grüßten ihr großes Vorbild. Der Hummer im Riff winkte ihm mit seinen Scheren. Die Sterne hingen griffbereit. Der Mond wuchs und wuchs und hielt prätentiösen Hof. Gold und Silber umkreisten ihn. Die Stille des tiefen Fir­maments steigerte sich zu einer unerhörten Symphonie.

 

Mit einem schmerzhaften Schlag kehrt ihre Erinnerung daran zurück, wann sie das Lärmen der Men­schen verabscheuen lernte: Damals, unter dem Mondlicht, in der nachtschwarzen Wüste am Silber­meer. Aufdringliche, menschliche Geräusche hatten sie in ihrem Mondhaus aufgestört. Sollte der Mensch selbst hier dem Universum Konkurrenz machen wollen, mit seinem penetranten Lärmen die Götter herausfordern?

 

Jetzt besucht ihr Mond sie am Großstadthimmel. Vor seinem Auftritt ver­ebbt das Rumoren der Men­schen. Der Widerschein abertausender Lichter macht ihm seinen kalten Glanz streitig, sogar seine Größe. Die Sterne hat er auf der Reise durch die Stadt verloren. Doch sie erkennt ihn. Gleich fühlt sie sich geborgen und bettet sich unter seinem Schutz zur Ruh'.

 

 

© Copyrights by Ute Becker - Berlin

Veröffentlicht in:

Sternengefunkel, Verlag KARO Berlin, 2003, ISBN 2003-213-01-50

 

 

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