Zitate zu Schall, Hall, Knall und Fall

 

 

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Zitate

 

Zitat aus "Klang und Krach", Murray Schafer, Ffm 1988, S. 132/33

 

The General Assembly Of The International Council der UNESCO verabschiedete im Oktober 1969 in Paris eine Resolution:

 

„Wir verurteilen einstimmig die unerträgliche Verletzung der individuellen Freiheit und des Rechts eines Jeden auf Ruhe, angesichts des Mißbrauchs aufgezeichneter oder übertragener Musik an privaten und öffentlichen Orten.

 

Wir fordern den Vorstand auf, eine Untersuchung aus allen Perspektiven einzuleiten - wie aus medizinischer, wissenschaftlicher und juristischer Perspektive - ohne die künstlerische und erzieherischen Aspekte außer acht zu lassen, mit dem Ziel, der UNESCO geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um diesem Mißbrauch ein Ende zu bereiten."

 

 

Zitat von Brian Simpson (Chartered psychologist and management consultant)

 

„There was a time when the only thing audible through railway station public address systems was the occasional garbled announcement. Now you get garbled music too. And not just in stations. Unsolicited “entertainment” might not be toxic, carcinogenic or capable of perforating the ozone layer, but it could lay fair claim to being one of the most insidious pollutants of our time.”

 

 

Robert Koch – 1843-1910

Robert Koch ließ 1910, vor 99 Jahren, verlautbaren: "Eines Tages wird der Mensch den Lärm genauso bekämpfen müssen wie Cholera und Pest."

 

Zitate in der Literatur

 

Bellamy, Edward

In seinem „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887“, verlegt 1890, beschreibt er die Dauerberieselung der Wohnungen durch das Radio; das „Soma“ der „schönen neuen Welt“

 

Busch, Wilhelm

„ ... Als störend wird Musik empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden"

 

Eekhoud, Georges

in „Burch Mitsu“ kommt die frühe Musikberieselung, Lärmbelästigung von Unbeteiligten zur Sprache

 

Engsing, Fridolin

Musiker der Gruppe "Floh de Cologne" antwortete auf die Frage, welches Geräusch ihn am meisten erschreckt: „Die Stille!“

 

Fehre, Christian August – 1744 – 1823) - deutscher Epigrammdichter

„ So mancher ist der Trommel gleich, er foltert das Gehör; von außen macht er Lärm, von innen ist er hohl.“

 

Fontane, Theodor, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1974

In „Unwiederbringlich" heißt es: „Die Ruhe ist wohl das Beste von aller Erden Glück“

 

Goethe, Johann Wolfgang von, Faust Erster TeiI, Auerbachs Keller

„Wenn das Gebäude widerschallt, spürt man erst recht des Basses Grundgewalt“

 

Haushofer, Marlen

In „Die Mansarde“: „Eine Fehlzündung vor dem Haus weckte mich. Ich war zutiefst böse und voller Haß. Ich stellte mir vor, wie gern ich mit einem Gewehr aus dem Fenster schießen würde. Wie immer, wenn ich durch Lärm geweckt werde, benahm sich mein Herz sonderbar, es gurgelte und gluckste, ehe es wieder regelmäßig weiterschlug. Mein Herz haßt den Lärm und wird sich nie an ihn gewöhnen, eines Tages wird es zu Tode erschrocken stehen bleiben. Ich erinnere mich an die absolute Stille, in der ich einmal gelebt hatte. ...“

 

Heidenreich, Elke und Sowa, Michael

Aus „Erika“: „ ... Ich hörte die Geräusche im Haus, zuklappende Türen, eine Männerstimme, schnelle Schritte, und von der Straße klang Berlins böses Brummen hoch, ein brodelnder Dauerton wie kurz vor der Explosion eines Kessels, und ich stellte mir Lugano vor ...“

 

Kaegi, Adolf

„... In den letzten Jahrzehnten verstärkte sich die Intensität der nahezu pausenlos auf uns einwir­kenden Geräusche dermaßen, daß man die völlige Vernichtung unseres geistigen Lebens befürchten muß!"

„...Die heutige Geräuschfülle hat Dimensionen angenommen, die auf das geistige Leben nicht etwa störend, sondern vernichtend wirken. Die Art, wie heute durch den öffentlich geduldeten, staatlich geförderten Lärm Gedankenfäden zerrissen, Ideengebilde zerfetzt, die Worte abgebro­chen werden, so daß entscheidende geistige Vorgänge sich gar nicht mehr abspielen können, ist ein Hauptzeichen unserer Barbarei, eine Hauptursache für das Sinken unseres Nive­aus!"

 

Kishon, Ephraim

widmet sich dem Thema „Lärm“ in seinen Büchern "Der Fuchs im Hühnerstall", "Kein Öl, Moses?", "Arche Noah, Touristenklasse", "Der Blaumilchkanal", "Drehen Sie sich um, Frau Lot!" und anderen mehr:

„Unter den großen Leistungen, auf die sich unser junger Staat berufen darf, ist die größte zweifellos die, daß es bei uns kein Fernsehen gibt. Hier liegt die verborgene Wurzel unserer Kraft. Leider haben die Feindesländer, von denen wir umgeben sind, unsere Geheimwaffe entdeckt und haben uns mit einem Televisionsnetz eingekreist, dem wir nicht entgehen können." - aus "Minestrone à la Television"

 

„Wir haben bereits angedeutet, daß das Fernsehen unser höchstes Lob verdient. Aber das Radio ist womöglich noch besser, denn man kann es je nach Belieben an- oder abdrehen. Es gibt allerdings auch Rundfunkapparate, die man weder an- noch abdrehen kann. Sie stehen in der Nachbarwohnung." - aus "Seligs atmosphärische Störungen"

 

Kosztolányi, Dezsó

aus „Anna Édes“:

„... Ständig heulte eine Jazzband. Das hatte den Vorteil, dass man dabei weder zu denken noch zu fühlen brauchte - Beschäftigungen, für die das vornehme Publikum, das hier verkehrte, nichts übrig hatte. Ausländische Schieber kamen hierher, reich gewordene Armeelieferanten, Entente-Offiziere, bessere Dirnen und Kriegerwitwen, lustige kleine ehemalige Heldengattinnnen, die sich mit Rücksicht auf ihre wirtschaftliche Lage hier den Dank der Nachwelt holten. Sie lauschten gern der Negerkapelle, die das Brüllen der wilden Tiere und das Kotzen des Kriegsüberdrusses nachahmte und alles überschrie, die Verzweiflung und auch den würgenden Ekel. Man wurde benommen davon, leicht verblödet und tanzte. ...“

 

Lessing, Theodor

gründete in Hannover zu Beginn des 20. Jahrhunderts den ersten „deutschen Antilärmverein“ und die Zeitschrift „Der Antj-Rüpel“ (Recht auf Stille.) – Monatsblätter zum Kampf gegen Lärm, Roheit und Unkultur im deutschen Wirtschafts-, Handels- und Verkehrswesen. – Organ des deutschen Antilärmvereins (Lärmschutzverband).

 

Aufsätze sind: „Die seelendünne Maschinenwelt müsse immer sich beweisen, daß sie fröhlich sei und lebe";

Der Lärm. Eine Kampfschrift gegen die Geräusche unseres Lebens“, Wiesbaden: J.F. Bergmann, 1907 (Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens).

 

Prof. Theodor Lessing ist in Marienbad in der Villa Edelweiss von nationalsozialistischen Sudenten ermordet worden.

 

Mann, Erika und Klaus

„Escape to life“ -

in Das Ende Österreichs, Seite 148: „... Zum Beispiel wird Schuschnigg gezwungen, sich den ganzen Tag am Radio das Triumphgeheul der Sieger und die „Begeisterung“ der Volksmassen anzuhören: ein wahrhaft diabolischer Einfall. Von der Beredsamkeit des „Führers“ war Schuschnigg schon in Berchtesgaden entsetzt. Freunde berichteten später, in welchem Zustand der Erschöpftheit, des Grauens, wie angewidert und wie hoffnungslos er damals die Villa am Obersalzberg verließ. „Er hat fünf Stunden lang ohne Unterbrechung gebrüllt!“ war sein fassungsloser Bericht. Vielleicht ist dies dem „Führer“ durch irgendwelche Zwischenträger zu Ohren gekommen. Um sich für diese despektierliche Äußerung zu rächen, hat Hitler nun, vielleicht, die infame Strafe des Zuhören-Müssens verhängt ...“

 

Mann, Klaus

„Der Vulkan" befasst sich mit dem Lärm der Radios während des Dritten Reiches

 

Markert, Joy H.

„Hören ist Berühren“, „Gegen das Hören bin ich manchmal schutzloser als gegen den Schmerz", ...

 

Platon

„... gleichermaßen schädlich sind laute Musik, ... falsche Tonarten und Disharmo­nien, denn sie füh­ren in einen Gefühlsrausch, oder peitschen die Leidenschaften auf!"

 

Sayers, Dorothee

In „Der Glockenschlag" wird ein Mensch durch stundenlangen Glockenschlag getötet

 

Schopenhauer

„... Der Lärm aber ist die impertinenteste aller Unterbrechungen, da er sogar un­sere eigenen Gedan­ken unterbricht, ja zerbricht!“

 

Sinclair, Upton

In „Öl!" geißelt Sinclair die junge Erfindung "Radio". Man hört in Südkalifornien den Propheten Eli Watkins täglich aus 200.000 Radiogeräten bei offenen Fenstern die Straßen beschallen. Das Sterben seines Bruders Paul Watkins im Krankenhaus wird ebenfalls durch die Stimme seines Prophetenbruders aus einem Radio aus einem Haus aus einem offenen Fenster in das Krankenzimmer gestört.

 

Suyin, Han

In „Manches Jahr bin ich gewandert“:

S. 127: „… Wir blieben stehen. Nur das Rascheln der windbewegten Blätter, nur das Rauschen des stürzenden Wassers … Nein! Ein Dröhnen, ein ferner singender Donner, ein Zischen wie platzende Knallfrösche, aber schwach und weitab; dann dumpfe Explosionen und ein Schüttern ein der Luft, Aus dem Dunst, wo wir Hengschau vermuteten, stieg trüber schwarzer Rauch auf. Ein Fliegerangriff!

 

Die Flugzeuge kamen auf uns zu, das Summen der Motoren verstärkte sich und schien aus allen Himmelsrichtungen zu kommen. Wir strengten unsere Augen an sie zu finden, mußten sie aber in dem hellen leeren Himmelsraum übersehen haben … „Da!“ Wir warten uns in das hohe Gras neben dem Weg. Dir furchtbare Musik umbrauste uns … Deutlich und ganz in der Nähe bellten die Abwehrgeschütze. Dann glitt etwas mit schrillem saugendem Zischen zur Erde und barst. Wir spürten den Boden erzittern. Der Donner der Flugzeuge wuchs, bis er mehr war als Lärm … Schwingungen gegen die Haut, die auch ein Tauber wahrgenommen hätte. Pao und ich starrten im Gras liegend mit einer Spannung hinaus, die stärker war als Furcht.

 

Die japanischen Flugzeuge flogen direkt über unsere Köpfe hinweg, zehn Maschinen in einer Formation von drei, vier und drei. Sie flogen stetig, rasch, mit müheloser Kraft und stolzer unbekümmerter Sicherheit, in der Sonne silbern aufleuchtend, unvorstellbar schön. …“

 

 

Geflügelte Worte

 

Schall, Krach, Klang und Lärm in den „Geflügelte Worten“

5996

„Lärm schlagen“ – „laut auf etwas aufmerksam machen“. In Städten wurde früher Alarm (Lärm) getrommelt, geschlagen.

6578

„Mord und Totschlag“ – „lauter Lärm“ (die Redaktion)

7980

„Sich die Lunge aus dem Halse schreien“ - laut und lange rufen

 

 

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